Mikro-CT-Scans und DNA zeigen: Drei Tiefwasserfische aus Südaustralien, lange als Seepferdchen eingeordnet, gehören zu einer eigenen Linie, die dieselbe Körperform unabhängig entwickelt hat.

Drei kleine Tiefwasserfische aus Südaustralien, die lange als Seepferdchen galten, sind einer eigenen Gattung zugeordnet worden. Das berichten die Autoren einer neuen Studie, Graham Short und David Harasti, in einem von The Conversation und ScienceDaily verbreiteten Beitrag. Die Fische sehen aus wie Seepferdchen: ein nach unten geneigter Pferdekopf, ein eingerollter Greifschwanz und bei den Männchen eine geschlossene Bruttasche. Die Autoren nannten die Gattung Australyichthys und ihre Mitglieder „Sea Muppets“: den Helmethead Sea Muppet (Australyichthys aegis), den Bullneck Sea Muppet (A. minotaur) und den Paradoxical Sea Muppet (A. paradoxus). Die Studie soll im Journal of Lost Species erschienen sein.

Die gesamte Gattung ist nur von sieben Exemplaren bekannt, die über etwa 65 Jahre entlang von mehr als 2.500 Kilometern Küste gesammelt wurden, alle zufällig in Schleppnetzen oder Dredgen am Meeresboden in etwa 50 bis 125 Metern Tiefe; seit fast zwei Jahrzehnten wurde keines mehr gefangen. Das einzige Exemplar von A. aegis wurde 2006 nahe den Gambier-Inseln an der Mündung des Spencer-Golfs in Südaustralien gedredgt, bei einer Expedition, die Schalentiere suchte, und fälschlich in die Wirbellosensammlung des South Australian Museum einsortiert. Da die Exemplare unersetzlich sind, wurden sie nicht seziert; stattdessen erstellten die Forschenden per Mikro-CT dreidimensionale Skelettmodelle und verglichen sie Knochen für Knochen mit echten Seepferdchen (Hippocampus).

Die Scans zeigten, dass den Fischen der starre Käfig aus verwachsenen Knochenplatten am Bauch und die knöcherne Krone, das Coronet, der Seepferdchen fehlen; stattdessen stützen anders angeordnete Knochen den Bauch. DNA aus dem in Ethanol statt Formalin konservierten A.-aegis-Exemplar stellt die Fische außerhalb der Seepferdchen auf den nächstverwandten Ast. Nach Ansicht der Autoren entstand der Seepferdchen-Körperbau damit mindestens zweimal innerhalb der Familie Syngnathidae, zu der auch Seenadeln, Röhrenmäuler und Fetzenfische gehören – ein Fall konvergenter Evolution. „Verlorene Art“ bedeute keine Prognose des Aussterbens: Niemand hat die Tiere je lebend gesehen, sie dürften noch in den kaum erforschten tieferen Zonen des Great Southern Reef leben und seien ein Ziel gezielter Erhebungen. Die Ergebnisse stammen aus einer einzigen Quelle und wurden hier nicht unabhängig bestätigt.